Unsere private Superjeep-Tour

Unsere private Superjeep-Tour

Je weiter ich mich in den Fluss vortastete, desto höher stieg das Wasser um uns herum, bis es fast unsere Fenster erreichte. Bitte mach, dass es den Motor nicht erreicht, bitte mach… Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich drückte vorsichtig noch ein bisschen kräftiger auf das Gaspedal. Nichts passierte. Noch ein bisschen… und ich spürte wie die Räder durchdrehten. Doch das Auto bewegte sich nicht. Wir steckten fest…

Superjeep-Tour: Fluss Durchquerung

Islands Highlands… Nachdem wir eine Woche zuvor zu Fuß hier durchgestapft waren, hatten wir uns für dieses Wochenende einen Superjeep geliehen, um das Ganze nochmal im Auto zu durchleben. Natürlich nicht exakt den gleichen Weg, den wir gewandert waren… Nur hin und wieder kamen wir an eine Stelle, die uns sehr vertraut vorkam und erinnerten uns, wie froh wir die Woche zuvor gewesen wären, wenn wir zum Fluss Durchqueren ein Auto gehabt hätten. Das hatte der Vermieter uns gleich zu Beginn eingeschärft: Sämtliche Eventualitäten hatten wir durch Zusatzversicherungen abgedeckt, doch Schäden aufgrund von River-Crossing übernahm keine Versicherung.
Aber gut, man musste einfach langsam fahren, um keine unnötigen Wellen zu erzeugen, die in den Motorraum eindringen können und darauf achten, den Fluss an einer Stelle zu überqueren, die nicht allzu tief ist. Und am besten mit der Strömung.

Obwohl unser Herzschlag uns jedes Mal in den Ohren dröhnte, machte es einfach unglaublich Spaß, durch die ersten Flüsse zu fahren! Dieser Adrenalinkitzel, wenn sich die Nase des Autos absenkte und durch das Wasser brach und man doch nie genau wissen konnte, wie tief der Fluss in Wirklichkeit war… Aber Nils, der darauf bestanden hatte, als Erster fahren zu dürfen, machte seine Sache klasse. So gut, dass Jan sogar von der Rückbank aus anfangen konnte, die Drohne über uns zu steuern…
Und jedes Mal, wenn das Auto oder die Drohne zu schnell wurde, hieß es: anhalten, auf die nächste Kamera-Einstellung warten und dann im gemäßigten Tempo weiterruckeln. Wirklich schnell kamen wir nicht voran – Aber dafür haben wir jetzt grandiose Aufnahmen von unserem Superjeep auf den Highland-Roads. Und einen Carporn.

Superjeep-Tour

Für alle, die sich ähnlich gut mit Autos auskennen wie ich und mit dem Begriff “Carporn” ebenso wenig anfangen können: Es handelt sich hierbei tatsächlich um das, was der Name andeutet: Car- Porn. Quasi ein Porno für Autoliebhaber. Also ein Video, das den Superjeep von allen Enden und Ecken aus zeigt (wofür man am besten immer wieder aufs Auto zu- und wieder davon wegrennt, wie ich gelernt habe 😀 ) – Und am Ende wird unter das zusammengeschnittene Video dann irgendeine laszive Porno-Musik gelegt.

Als wir am Spätnachmittag dann doch mal einen Blick auf die Karte warfen und feststellten, dass wir kaum ein Drittel der Strecke bisher hinter uns hatten, fanden wir das alle noch ziemlich lustig. Ja gut, man hatte uns gewarnt, dass die Flüsse abends sehr viel tiefer und reißender waren, da sie nun auch das über den Tag geschmolzene Gletscherwasser enthielten… Aber bisher waren die Flüsse kaum mehr als kleine Bäche gewesen, deshalb machten wir uns keine allzu großen Sorgen.

Ich fahre gerade den coolsten Superjeep auf der Welt!!!

Endlich, endlich, endlich war dann auch ich mal an der Reihe, mich hinter das Steuer zu setzen! Die Sonne berührte beinahe schon den Horizont, deshalb beschlossen wir, dass wir beim nächsten Fluss auf jeden Fall filmen mussten – letzte Gelegenheit!

Der Fluss, an den wir kamen, wirkte sehr viel wasserreicher als die letzten… Jan stieg aus und baute Kamera und Stativ auf. Jetzt war es soweit.

Superjeep-Tour: Fluss Durchquerung

Tief durchatmen, ermahnte ich mich, und ganz langsam jetzt. Im Schneckentempo rollte der Superjeep die kleine Böschung hinunter – und trotzdem schwappte das Wasser ganz schön, als wir durch die Oberfläche brachen. Ich schluckte. Das war tiefer als gedacht. Je weiter ich mich in den Fluss vortastete, desto höher stieg das Wasser um uns herum, bis es fast unsere Fenster erreiche. Und nur um die Relationen hier deutlich zu machen: Der Wagen war der größte Geländewagen, den Nissan anbietet, zusätzlich hochgesetzt und hatte Räder, die mir beinahe bis zum Bauchnabel reichten – ein ausgewachsener Monstertruck. Bitte mach, dass es den Motor nicht erreicht, bitte mach… Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich drückte vorsichtig noch ein bisschen kräftiger auf das Gaspedal. Nichts passierte. Noch ein bisschen… und ich spürte wie die Räder durchdrehten. Doch das Auto bewegte sich nicht. Wir steckten fest…


Meine Finger begannen zu zittern und ich zwang mich, erneut tief durchzuatmen.
“Setz ein Stück zurück”, lotste mich Nils. Das Wasser schwappte gegen die Türen. “Jetzt ein kleines Stück weiter nach rechts…” Ich entkuppelte und machte die Differentialsperre rein. Dann wieder in den Vorwärtsgang und ganz, ganz langsam… Der Motor heulte auf wie ein verletzter Wolf und wir konnten spüren, wie der Wagen kämpfte und kämpfte… Und dann einen kleinen Ruck nach vorne machte und ich weiterfahren konnte. Ich hatte das Ufer erreicht…

Dann der Blick zurück auf Jan, der auf der anderen Seite des Ufers stand und dem der Schreck ebenso in den Knochen saß wie uns. Doch es half nichts: Irgendwie mussten wir Jan und das Kameraequipment wieder einsammeln. Also wendeten wir und Nils steuerte den Wagen zurück ins Wasser. Jan stieg ein, wir wendeten wieder und durchquerten den Fluss das dritte Mal. Wir hatten uns wirklich den perfekten Ort zum Drehen ausgesucht!

Superjeep-Tour: River Crossing

Als wir in das Thorsmörk-Tal kamen, hatten wir den schlimmsten Teil bereits hinter uns (schafften es dort aber trotzdem, uns grandios zu verfahren…). Hier beschlossen die Jungs, für die nächsten Stunden zu campen und auf einen hoffentlich klaren Himmel und möglicherweise sogar auf Nordlichter zu warten.

Die nächsten 7 Stunden überspringe ich an dieser Stelle, wer etwas über diesen atemberaubenden Abend lesen möchte, klickt einfach hier: Auf der Jagd nach Nordlichtern. (Oder schaut sich das Video dazu an: Northern Lights – Video)

Es war bereits Viertel vor drei in der Nacht, als wir zurück nach Reykjavik kamen, Jan ablieferten – Und dann erstmal nach einer Tankstelle suchten, an der wir das Auto waschen konnten. Die Autovermietung hatte logischerweise bereits zu, doch wir hatten gesagt, wir brächten es an dem Abend noch vorbei, …BEVOR sie um 8 Uhr morgens wieder öffnen würde. Also griffen wir mitten in der Nacht, völlig übermüdet und verfroren nach den Besen (aus denen Wasser herauskam) und schrubbten den Superjeep, während sich das Wasser zu unseren Füßen dunkelbraun verfärbte. Dann stellten wir den Wagen bei der Autovermietung ab, warfen den Schlüssel ein – Und riefen ein Taxi nach Hause.

Dann war es fünf. Und wir stellten fest, dass unsere Hausaufgaben, die wir am nächsten Morgen um 10 Uhr präsentieren sollten, noch nicht vollständig waren… 😀

Iceland Highland 4×4 Adventure

Guckt euch das Video über unsere Superjeep-Tour an: Iceland Highland 4×4 Adventure

 

Mehr über unsere Abenteuer in den Highlands?

Unsere Wanderung: Erster Tag – 3-Tage-Power-Marsch durch die Highlands

Zur Übersicht: Laugavegur – 3-Tage-Power-Marsch durch die Highlands

Wie wir an diesem Abend Nordlichter gesehen haben: Auf der Jagd nach Nordlichtern

Northern Lights – Video

 

Mehr Trips mit Jan:

Die ungeplante, ein wenig gefährliche Klettertour auf den Westman Islands: Westman Islands – Die Insel der Vulkane und Papageientaucher

Der zweite und unweit erfolgreichere Versuch, das Wrack von Solheimsandur zu finden: Flugzeugwrack – Und es existiert doch!

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