Zweiter Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Zweiter Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Von Alftavatn nach Emstrur

Warnung: Tropischer Sturm heute Nachmittag.
Wir also dementsprechend früh raus, um möglichst VORHER die zwei „river corssings“ des Tages hinter uns zu bringen und unser Ziel, die Hütte in Emstrur zu erreichen.

Tag 2 - Von Alftavatn nach Emstrur

Die Tshirts und Socken, die wir in unserem Schlafzimmer aufgehängt hatten, waren zum Glück einigermaßen gut getrocknet über Nacht. (Wir Genies hatten am Vortag unser Rucksack-Regencape nicht benutzt, sodass abends dann auch unsere Wechselkleider durchnässt waren und wir barfuß und in Unterhemd hatten kochen müssen…)
Bei den Wanderhosen und Jacken, die wir im Eingangsbereich gelassen hatten, sah das aber leider anders aus. Doch das wohl Widerlichste: Das schmatzende Geräusch, wenn man in seine vollgesogenen Wanderstiefel steigt.

Draußen empfing uns ein leichter Nieselregen, aber daran waren wir inzwischen gewöhnt. Keine zehn Minuten später hieß es dann auch schon wieder: River crossing! Also Schuhe aus, Hosen hochkrempeln und ab durch die Kälte. Ich muss sagen, wenn man die Unvermeidlichkeit der Flussdurchquerung einmal akzeptiert hat, geht das ganze Prozedere sehr viel schneller. Und sich auf der anderen Seite lange mit Abtrocknen aufhalten wollte auch niemand – Je länger man dastand und den Wind durch die feuchten Kleider pfeifen ließ, desto schlimmer wurde es.

Dementsprechend schnell waren wir auch unterwegs: Bevor man die drei Minuten stehen blieb, um eine Scheibe Brot aus dem Rucksack zu kramen, überlegte man es sich doch noch ein zweites Mal, ob der Hunger wirklich so groß war.

River Crossing auf dem Laugavegur

Unser Weg heute war das völlige Kontrastprogramm zu dem Gestrigen: Während es gestern auf und ab (wobei mehr auf als ab), über Berge und Moränen und Schwefelfelder ging, hatten wir nun einen relativ eben verlaufenden Marsch durch eine schwarze Wüste vor uns. Weit, weit entfernt zu unserer linken und rechten Seite waren Berge zu erkennen, doch ansonsten bestand die Landschaft ausschließlich aus einem gigantischen Lavafeld. (Wer Thor 2 gesehen hat: Diese Gegend diente als Drehort für Svartalfheim, die Welt der Dunkelelfen…)

Und dann war es wieder soweit: Der nächste Fluss. Im Vergleich zu diesem hier kamen uns die beiden Vorgänger vor wie kleine Bächlein. Wir Mädels warteten gerade lange genug, bis Nils soweit war und ihn durchquert hatte – nur um zu schauen, wie hoch wir denn die Hosen krempeln mussten. Das Ergebnis war ernüchternd. Und mit leidvollem Blick schälten Josephine und ich uns aus unseren Hosen und klemmten sie uns, zusammen mit den Schuhen und den mittlerweile SEHR unappetitlich aussehenden Socken unter die Arme.

Das waren wirklich die längsten 10 Meter meines Lebens! Die Strömung war so stark, dass man sich nur Zentimeter für Zentimeter vortasten konnte und dabei das Gefühl nicht los wurde, sich gar nicht vom Fleck zu bewegen. Und dann blieb auch noch mitten im Fluss mein FlipFlop* an einem Stein auf dem Grund hängen und ich sah mich schon der Länge nach in die Fluten stürzen… Aber irgendwie schafften wir es doch auf die andere Seite, wo uns die unschöne Aufgabe erwartete, die nassen Hosen wieder über die feuchte Haut zu ziehen.

* Bei starker Strömung ist diese Art Schuhwerk wirklich nicht das Beste, ob der großen Angriffsfläche, die die Sohle bietet – Aber ansonsten waren sie echt Gold wert! Immerhin konnte ich einfach gerade aus laufen und musste nicht darauf achten, mir an den scharfkantigen Steinen im Fluss nicht die Füße aufzuschneiden. Außerdem werden die Füße ohne Schuhe NOCH dreckiger 😀 Es gibt natürlich auch richtige Wasserschuhe, oder man nimmt leichte Stoffschuhe, die man hinterher einfach in die Waschmaschine schmeißen kann. Hat man aber keines von beiden zur Hand: FlipFlops tun’s auch!

Entgegen der Warnung des Hüttenwarts in Alftavatn brachte der Mittag keinen Sturm, sondern tatsächlich sogar besseres Wetter. Die Kälte blieb, aber langsam hörte der Regen auf und irgendwann legte sich dann auch der Wind. Ein Glück sind wir so früh aufgestanden, um ja auch noch das letzte Bisschen des Unwetters mit abzugreifen… 😀

Und so war das Wetter beinahe als “schön” zu bezeichnen, als wir nach einer erneuten Rekordzeit von diesmal nur 5 Stunden an der Hütte in Emstrur ankamen. (Nicht, dass wir damit tatsächlich einen Rekord aufgestellt hätten, aber immerhin waren wir schneller, als der Hüttenwart uns prophezeit hatte… Und da waren wir wieder verdammt stolz drauf!)

River Crossing und Regen sind eine ungute Kombination... Alles nass!!

Obwohl Emstrur (bei schönem Wetter) recht beeindruckend sein soll, verbrachten wir den Rest des Tages im Schlafsack, beim Essen, im Schlafsack, beim Karten spielen, beim Essen und anschließend wieder im Schlafsack. Hier hatten wir leider keinen eigenen Schlafraum, sondern teilten ihn uns mit rund 10 anderen Wanderern und einem Herd. Ziemlich gemein, wenn man eigentlich schlafen will, und plötzlich duftet die ganze Hütte nach leckerem Essen… (Beziehungsweise Tütenfutter. Aber da wir heute unsere Spaghetti relativ trocken zu uns genommen hatten, roch das trotzdem ziemlich verführerisch!)

Gegen 8 Uhr abends waren wir drei dann aber doch eingeschlafen. Als ich mitten in der Nacht, so gegen halb 10 Uhr, wieder aufwachte, war dann auch noch der letzte im Tiefschlaf und leider hatte irgendwer vorher noch den Ofen wieder ausgestellt. Adieu, Traum von trockenen Schuhen…

Einmal wach, kam ich leider nicht mehr darum herum zu bemerken, dass neben mir gerade ein fünfstöckiges Gebäude eingerissen wurde. Oder so klang es zumindest. Anderthalb Stunden lang. Und jedes Mal, wenn man dachte, JETZT ENDLICH hört es auf (weil er spontan doch an seinem eigenen Schnarchen erstickt ist), bewies er uns, dass es für den menschlichen Körper doch möglich ist, eine Kettensäge rückwärts zu imitieren. Glaubt mir, ich hatte noch nie so blutrünstige Tagträume…

Nils lag ebenso wach wie ich – Und nachdem alles, von leise Musik hören bis hin zu stumpfsinnige Spiele auf dem Handy spielen, nichts half, griffen wir zum letzten Mittel und stopften uns Taschentücher in die Ohren. (Das vorletzte Mittel, sagt eine böse Stimme in meinem Kopf und wetzt schon mal die Messer… 😀 )

Laugavegur – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Dieser Artikel ist Teil der Serie „3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands“, in der wir über unsere Erfahrungen auf der Wanderung von Landmannalaugur über Alftavatn und Emstrur nach Thorsmörk berichten.

Zu Tag 1: Erster Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Zu Tag 3: Dritter Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Hier kommt ihr zur Übersicht: Laugavegur – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Mehr über unsere Hiking-Erlebnisse: Mount Esja – Der Stadtberg von Reykjavik


Nils & Katha

1 COMMENT
  • Mum
    Antworten

    Es macht nach wie vor sooooo Spaß euren Bericht zu lesen, vor allem, wenn man gemütlich im Warmen mit einer Tasse Tee sitzt…! =D

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