Erster Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Erster Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Von Landmannalaugur nach Alftavatn

Seit Wochen schon planten wir, den Laugavegur, eine Drei-Tages-Tour von Landmannalaugur nach Thorsmörk durch die Highlands zu laufen… und Woche für Woche haben wir es dann doch wieder verschoben. Erst war Nils krank, dann eine Woche später ich. Deshalb fühlte es sich fast ein wenig surreal an, als wir schließĺich doch im Bus saßen, die Rucksäcke vollgepackt bis obenhin, auf dem Weg nach Landmannalaugur.

Laugavegur - Tag 1: Los geht's in Landmannalaugur

Der Bus sah aus wie ein völlig normaler Straßenbus… Dementsprechend anders wurde uns, als dieser irgendwann die Straße verließ und über Schotterpisten und Gebirgspfade weiterruckelte und sogar einen Fluss durchquerte. Ich kann nicht bestreiten, dass ich sehr erleichtert war, als wir schließlich gesund und unversehrt aussteigen konnten.

Auf dem Weg nach Landmannalaugur

Die Strecke zu unserem Ausgangspunkt, der Hütte in Landmannalaugur, hatte länger gedauert als erwartet, und so konnten wir unsere Wanderung erst um halb 2 beginnen (dafür, dass wir morgens schon um 6 Uhr aufgestanden sind…). Und das Beste: Uns wurden bis zu 10 Stunden Weg prophezeit.

Die ersten Stunden sind immer die härtesten. Der erste steile Aufstieg, die Erkenntnis, dass man vielleicht doch vorher hätte Sport treiben sollen… Für Josephine, eine Freundin von der Uni, die mit uns unterwegs war, war es besonders schwierig – weil das wortwörtlich die zweite Wanderung ihres Lebens war.

Der Anfang des Laugavegur - Landmannalaugur

Doch die Landschaft lud ein, sich immer neu zu motivieren. Unser Weg führte uns über qualmende Schwefelhügel und die Obsidianfelder von Landmannalaugur und ich belud bereits am ersten Tag meine Tasche mit den unterschiedlichsten Steinen. (Nils schüttelt an dieser Stelle nur verständnislos den Kopf… 😀 )

Die Schwefelfelder von Landmannalagur

Aber wir haben uns alle gut geschlagen, und irgendwann waren dann die ersten 12 Kilometer geschafft und wir kamen bei unserem ersten Zwischenstopp an, der Hütte Hrafntinnusker. Kurz zuvor hatte es zu regnen begonnen, trotzdem beschlossen wir, lieber draußen unsere “Mittagspause” einzulegen, als jetzt die Schuhe auszuziehen und später wieder in die nassen Jacken zu schlüpfen. Und so genossen wir ein schnelles Baguette- und- Pringles- Menü und stapften dann weiter. Von so einem bisschen Regen lassen wir uns doch nicht aufhalten!

Keine 30 Minuten später wurde aus dem leichten Regen ein ausgewachsener Sturm. Natürlich zu genau jenem Zeitpunkt, als der Weg beschloss, dass es unglaublich witzig sei, uns jeden einzelnen Hügel in der Nähe hinauf- und wieder hinabzuführen. Ich hätte niemals gedacht, dass man Gänsehaut auf den Wangen kriegen kann… Aber umdrehen war keine Option für uns, also bissen wir uns durch, gegen den Wind, Schritt für Schritt für Schritt.

Je höher wir kamen im Gebirge, desto nebliger wurder es. Oftmals konnte man die Stecken, die den Weg markierten, nur noch erahnen. Immer wieder standen wir oben auf einem Hügel bei der letzten Markierung, drehten uns von links nach rechts und wieder nach links, um irgendwo auf einem der umliegenden Hügel den nächsten Stecken zu finden. Jedes Mal schlug unser Herz ein wenig schneller, bis wir schließlich doch den Weg wiederfanden.
Und immer wieder der besorgte Blick hinauf zum Himmel, um zu prüfen, wie lange es wohl noch hell sein würde. Denn wenn es schon bei einer Sichtweite von 10 Metern knifflig war, den richtigen Weg zu finden, dann wäre es in der Dunkelheit schlicht und ergreifend unmöglich gewesen.
Da keiner von uns sonderlich scharf darauf war, uns schon am ersten Tag abbergen zu lassen, zogen wir immer wieder das Tempo an, ungeachtet der müden Glieder und des schlechten Wetters.

Am beeindruckendsten waren die Passagen des Weges, die direkt über eine Gletschermoräne führten. Über einen Fluss aus Eis und Erde zu laufen, während man weit unter sich im Gletscher das schmelzende Wasser gluckern hören kann… Nils wäre fast festgefroren bei dem Versuch, Josephine und mich auf der Moräne zu fotografieren – Denn Stehenbleiben und Warten sind bei solchen Wetterbedingungen tödlich!

Ich glaube, wir waren alle mehr als erleichtert, als wir schließlich, nachdem wir 5 Stunden lang alleine in der Wildnis gewesen waren, eine Gruppe Wanderer vor uns sahen. Zu wissen, dass jemand in Rufweite ist, sollte etwas passieren, hat etwas sehr Beruhigendes in einer solchen Situation.

Laugavegur - Tag 1: Die beeindruckende Landschaft von Landmannalaugur
Hier sind wir schon wieder aus der größten Nebelbank heraus… Sonst hätte man kaum die Felsen im Vordergrund erkennen können!

Nach einem einstündigen Abstieg aus dem Hochgebirge endete der Weg abrupt – in einem Fluss. Wir waren davor gewarnt worden, aber irgendwie hatten wir alle gehofft, dass wir wenigstens am ersten Tag davon verschont bleiben würden: River-Crossing. Auf der anderen Seite konnten wir Menschen sehen, die sich gerade wieder abtrockneten und die Schuhe anzogen… Trotzdem liefen wir zunächst 10 Minuten lang das Ufer auf und ab, um vielleicht doch noch eine Stelle zu finden, an der man einfach über das Wasser springen konnte. Doch irgendwann mussten wir uns dem Unvermeidlichen beugen. Es bedurfte mir sehr großer Selbstbeherrschung, bei der plötzlichen Kälte nicht einfach mitten im Wasser zu erstarren… Wieder am Ufer angekommen zitterten meine Hände so heftig, dass ich nicht in der Lage war, mir selbst wieder die Schuhe anzuziehen. Leider war mir auch einer meiner (bzw. der von Nils gemopsten :D) Super-Winter-Handschuhe ins Wasser gefallen, deshalb konnte ich nichts tun als meine Hände in meinen zum Glück noch trockenen Schal einzuwickeln und Nils meine Füße hinzustrecken.

Um für die letzten Meter noch einmal Kraft zu tanken, ließen wir über Nils’ Handy Imagine Dragons abspielen und sangen ziemlich schief und teilweise ohne tatsächlicher Kenntniss die Songtexte mit.
Die Sonne versank gerade endgültig hinter dem Horizont, als wir die Hütte Alftavatn erreichten – Nach 24km und ein paar tausend Höhenmetern, aber doch nur 7 Stunden wandern, sehr stolz, sehr müde und sehr sehr nass.

 

Laugavegur – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Dieser Artikel ist Teil der Serie „3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands“, in der wir über unsere Erfahrungen auf der Wanderung von Landmannalaugur nach Thorsmörk berichten.

Zu Tag 2: Zweiter Tag – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

Hier kommt ihr zur Übersicht: Laugavegur – 3-Tages-Power-Marsch durch die Highlands

 


Nils & Katha

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