Die Straßen Islands

Die Straßen Islands

Den Isländern zufolge, die wir bisher kennen gelernt haben, hat sich mit wachsendem Tourismus die Situation auf den Straßen drastisch verändert: Während noch vor 20 Jahren kaum jemand auf dem Land ein Auto besessen hat, weil man eher mit einem Pferd durch das Land gereist ist, statt die sehr schlecht ausgebauten Straßen zu benutzen, boomt mittlerweile der Automarkt, die Straßen sind überfüllt, es wird immer gefährlicher. 

Aus der Sicht eines Festland-Europäers sah die Situation eher so aus: Leere Straßen, soweit das Auge reicht, alle 20 Minuten vielleicht einmal das Aufblitzen der Scheinwerfer eines anderen Autos im Rückspiegel, ansonsten meistens in der Mitte der Fahrbahn fahren, weil ohnehin kein Auto entgegenkommt, lässig Musik hören und die Landschaft genießen! 😀 

Speedlimit 90 on all Roads in Iceland

Ach ja, es gilt im ganzen Land ein Geschwindigkeitslimit von 90 km/h.

Das mit dem “gefährlich” lässt sich aber nicht so leicht abstreiten. Immer wieder kommt es zu Situationen, bei denen man merkt, dass es nur deshalb so vergleichsweise wenige Verkehrstote gibt, weil es einfach kaum Verkehr gibt:
Da hätten wir einmal die einspurigen Brücken. Die sind kein Problem, solange man die Straße gut einsehen kann. Kombiniert man dieses architektonische Meisterwerk aber auch noch mit einem “Blinden Hügel”, wird das Ganze etwas brenzliger. Denn selbst wenn man darauf vertraut, dass die anderen Autofahrer sich ebenso vorsichtig an solche Stellen herantasten – man kann nie wissen, ob nicht zufällig hinter dem nächsten Hügel plötzlich ein Schaf liegt.

Typical Icelandic Road
Foto von Johannes Parteli

Von Schafen geschnitten zu werden kommt hier deutlich öfter vor als von anderen Autofahrern. Fairerweise muss man dazu sagen, dass es auch sehr viel mehr Schafe als andere Autofahrer gibt 😀
Das kritischste sind aber die Tunnel. An sich sehen diese schon nicht besonders beruhigend aus – eher wie Löcher, die in den Stein gehauen wurden, und man muss darauf vertrauen, dass diese tatsächlich durch den ganzen Berg reichen und nicht einfach zwischendrin aufhören*. Das ist aber nicht alles: Es kann gut sein, dass mitten im Tunnel das Ganze plötzlich einspurig wird. Alle fünfzig Meter gibt es dann kleine Buchten, in die man bei Gegenverkehr fahren kann… Den man aber auch nur dann sehen kann, wenn der Tunnel nicht gerade zufällig eine Kurve macht.
Ja, so eine Situation flößt einem schon einen gewissen Respekt ein!

Vor allem vor chinesischen Autofahrern wird hier gewarnt. Der chinesische Führerschein ist wohl sehr leicht und mit sehr wenig Fahrpraxis zu erhalten – was mit steigenden Touristenzahlen aus China zu einem sehr signifikanten Anstieg des Anteils chinesischer Staatsbürger an den Verkehrstoten in Island führt. Wer also nicht gerade erst seinen (chinesischen) Führerschein gemacht hat, sondern bereits ein wenig Fahrpraxis hat, sollte mit etwas Vorsicht und gesundem Menschenverstand auf der Ringroad trotzdem gut zurecht kommen.

(Dieser Artikel bezieht sich vollständig auf die Sommerbedingungen. Vielleicht hat man im Winter kein allzu großes Schaf-Problem, dafür sind aber die meisten Straßen kaum mehr als solche zu erkennen, und wenn man liegen bleibt, kann es je nach Gegend gut mal 24 Stunden dauern, bis Hilfe kommt – bei -5°Celsius.)

Abseits der Road 1 sind fast alle Straßen ungeteert. Dabei ist zwischen den Wegen, die zu Siedlungen führen, und Wegen Richtung Landesinnere, die sogenannten F-Roads, zu unterscheiden. (Ich weigere mich, diese als “Straßen” zu bezeichnen!)
Bei ersteren kommt man mit einem normalen Auto mit Vierradantrieb noch gut aus. Bei den F-Roads sollte man es ohne höhergelegten Geländewagen erst gar nicht versuchen. (Wir sprechen da aus Erfahrung… Das Geräusch von Unterboden auf spitzen Steinen verfolgt mich bis heute in meine Träume.)

*So eine Angst mag vielleicht unbegründet wirken… Aber letztes Jahr in der Türkei sind wir mit einem Mietwagen im Taurusgebirge unterwegs gewesen und durch einen ähnlich grob behauenen Tunnel gefahren… der auf der anderen Seite in einem Abhang geendet hatte. Aber wer möchte denn nicht unbedingt einen einspurigen Steintunnel rückwärts und ohne Licht zurücklegen?!

 

Das war jetzt ja alles nur über „normale“ Straßen… Wenn du etwas über unsere Erfahrungen auf den sogenannten F-Roads in den Highlands lesen willst (und wie es beinahe ziemlich böse geendet hat…), klick hier: Unsere private Superjeep-Tour

Hier erfährst du, wie wir die Insel mit dem Auto umrundet haben: Roadtrip – In 8 Tagen um die Insel

Wer wir sind? Katha & Nils stellen sich vor

Studieren in Island: Wie alles begann Foto von Johannes Parteli


Nils & Katha

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