Auf dem blauen Eis

Auf dem blauen Eis

glacier - guide Ingo

Zum ersten Mal seit Tagen riss der Himmel auf und uns begrüßte eine strahlende Wintersonne, als wir beim Solheimajökull-Gletscher ankamen, dessen Name passenderweise übersetzt “Heimat der Sonne” heißt. Zur Abwechslung sogar einmal rechtzeitig… Doch dann ließen wir uns beim Vespern und Umziehen schließlich doch so viel Zeit, dass wir rennen mussten, damit unsere Truppe nicht ohne uns aufbrach. 😀

Seit wir nach Island gekommen sind, war das mein großer Traum: Auf einen Gletscher hoch. Bisher waren wir immer nur am Fuße eines Gletscher vorbeigefahren oder -gewandert… Doch nun boten uns unsere Partner von Troll Expeditions diese unglaubliche Gelegenheit!

glacier

Und dann soll es natürlich auch nicht irgendein Gletscher sein. Der Solheimajökull, ein Ausläufer des Myrdalsjökull, befindet sich direkt über dem energiereichsten Vulkan Islands – Katla, der vor 20 Millionen Jahren maßgeblich an der Entstehung Islands beteiligt war. Das macht Island geologisch, trotz der uralt wirkenden Vulkanlandschaften, zu einem der jüngsten Länder dieser Welt!

Vor noch einer Woche war der Zugang zu diesem Gletscher vollkommen gesperrt gewesen – Aus Angst, besagter Vulkan könnte ausbrechen. Doch dieses Risiko war gebannt… Und so folgten wir mit wild klopfenden Herzen unserem Guide Ingo durch das, wie er es nannte, isländische Mordor. Eine gewaltige schwarze Landschaft aus von Asche bedecktem Eis, am Fuße der Gletscherzunge. Überbleibsel von dem Vulkanausbruch 2010. (An den Eyjafjallajökull werden sich bestimmt alle erinnern – ich kann das mittlerweile sogar beinahe aussprechen :D)

glacier gear

Mit Ingos Hilfe schnürten wir unsere Steigeisen fest, machten ein letztes Selfie – und dann ging es los! Die ersten Schritte auf dem Eis fühlten sich noch ein wenig wackelig an. Aber mit den Spikes an unseren Schuhen bohrten wir uns quasi im Untergrund fest. Und immer, wenn ein besonders großer Schritt nötig war oder der Weg sehr steil wurde, war Ingo zur Stelle, um uns gegebenenfalls Hilfestellung leisten zu können. So bewältigten wir den Aufstieg ohne Schwierigkeiten und wurden mit einem atemberaubenden Anblick belohnt.

glacier - the trio

Durch die Sonne schmilzt die oberste Schicht des Gletschers leicht an und durch den eintretenden Sauerstoff erscheint die ganze Oberfläche strahlend weiß. Aber darunter: tief blaues Eis. Immer wieder kamen wir an Spalten im Boden vorbei, an denen man dieses Phänomen gut beobachten konnte. Je blauer und tiefer, desto älter ist übrigens auch die Schicht. Bis zu 700 Jahre altes Eis kann man hier finden!

Unserem Guide Ingo war die Begeisterung für dieses Wunder der Natur ebenso deutlich anzusehen wie uns. Seit Jahren ist er beinahe täglich hier oben, wenn nicht mit einer Tour, dann um neue Wege auszukundschaften oder die alten mit einer Eisaxt auszubessern. Und doch glühen seine Augen immer noch, wenn er uns von den Eigenarten des Gletschers erzählt. Davon, wie der Gletscher lebt, wie er sich verändert, wie es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gibt. Doch dann nimmt seine Stimme beinahe einen traurigen Klang an, als wir über diese Veränderungen reden. Ganze neun Meter ist dieser Gletscher seit dem letzten Sommer geschrumpft! Noch nie wurden mir die Veränderungen durch den Klimawandel so deutlich vor Augen geführt… Wären wir vor einem Jahr hier gewesen, stünden wir nun 9 Meter weiter oben und da wo wir uns befinden, wäre massives, Jahrhunderte altes Eis!

glacier

Ich kann an dieser Stelle nur die Dokumentation “Chasing Ice” empfehlen. Gigantische Aufnahmen von unserem Gletscher, in denen man in Zeitraffer diese wunderschönen und zugleich unglaublich beklemmenden Phänomene beobachten kann – wirklich erschreckend.

Nach ungefähr einer halben Stunde Wanderung über das Eisfeld kam uns der kleine Strom Wasser gerade recht. Während Ingo über Svenjas und meine Versuche, Wasser mit den Händen zu schöpfen, nur lachte, zeigte er uns, wie ECHTE WIKINGER das machten… Was Nils natürlich sofort ausprobieren musste! 😀

glacier - drinking

Kurz darauf gelangten wir zu einem sogenannten schwarzen Loch im Solheimajökull. Ingo meinte, jeder Gletscher habe solche: Was da einmal reinfällt, kommt nicht mehr raus. Zur Demonstration, wie tief diese Spalte reicht, warf unser Guide ein Stück Eis hinunter. Wir hielten alle die Luft an. Ein Augenblick verstrich, der uns vorkam wie eine Ewigkeit, bis wir hörten, wie es aufschlug.

Das Erschreckende daran: Nach einem guten Schneefall ist diese Spalte komplett mit einer dünnen Schicht aus frisch gefrorenem Schnee bedeckt! Da braucht es dann schon die geübten Augen eines Guides, um nicht bei einem unbedachten Schritt auf diese Falle über 50 Meter tief ins Nichts zu stürzen!

 

glacier - icecave

Kurz bevor wir uns wieder an den Abstieg machten, kamen wir zum eigentlichen Höhepunkt der Tour: Eine Gletscherhöhle, in die wir hinunter kletterten und uns dabei wie die Abenteurer schlechthin fühlten! 😀

Dann war gerade noch Zeit, ein Stückchen vom Gletschereis zu probieren… Und schon waren wir wieder unten angelangt und lösten widerwillig unsere Steigeisen. Nicht nur die atemberaubende Natur, sondern auch die lockere Artmunseres Guides in Kombination mit seinem großen Fachwissen und seiner Erfahrung haben diese Tour zu einem wirklich großartigen Erlebnis gemacht.

glacier: finish-photo-shooting

Diese 5 Finnen waren mit uns unterwegs – Und wurden dem Bild der wilden Vikinger mehr als gerecht! 😀

Interesse an dieser Tour?

Auf Guide to Iceland kannst du die gleiche Tour buchen, wie wir: Tour Link

 

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Nils & Katha

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